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Eine kinderpornographische Plattform

Es war die wohl größte Plattform für kinderpornografisches Material im deutschsprachigen Raum: „Elysium“. Hinter dem Namen verbarg sich ein Forum mit mehr als 87.000 Mitgliedern, die dort entsprechende Bilder und Videos austauschten.

Wie in vielen ähnlichen Fällen war diese Seite nur mit dem Tor-Browser im Darknet erreichbar. Darin sollen Aufnahmen von schwerem sexuellen Missbrauchsvon Kindern, darunter auch von Kleinkindern, sowie Darstellungen von Gewalt, sexueller Natur, gegen Kinder enthalten gewesen sein, wie das Bundeskriminalamt in einer Pressemitteilung mitteilte. Es soll nicht nur um die Verbreitung entsprechenden Materials, sondern auch um die organisierte Vergewaltigung von Kindern gehen.

Ermittlungen in mehreren Ländern

Ein 39-jähriger IT-Fachmann aus dem Landkreis Limburg-Weilburg konnte nach „mehrmonatigen aufwendigen Ermittlungen“ als hauptsächlicher Verdächtiger festgenommen werden, er soll die Seite seit November 2016 als Administrator geleitet haben. Bei der Durchsuchung wurde der Server beschlagnahmt und „umgehend abgeschaltet“. Dabei gab es Chatbereiche für die Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch, das Forum hatte also eine internationale Ausrichtung.

Für die Moderation soll ein 56-Jähriger aus dem Main-Tauber-Kreis verantwortlich gewesen sein, auch bei ihm gab es eine Durchsuchung und eine Festnahme. Ein weiterer Beschuldigter ist ein 61 Jahre alter Mann aus Landsberg, der für den grafischen Auftritt der Netzseite verantwortlich gewesen sein soll. Gegen ihn wird wegen Verdacht auf „bandenmäßigen Verbreitung kinderpornographischer Schriften“ außerdem „schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen und der Herstellung kinderpornographischer Schriften“ ermittelt.

Zusätzlich wird ihm der sexuelle Missbrauch zweier Kinder (fünf und sieben Jahre) vorgeworfen. Diese wiederum sollen die Kinder eines 28-jährigen Mitglieds des Forums aus Österreich gewesen sein, das ebenfalls durch die Kooperation mit Europol festgenommen wurde. Er soll seine Kinder sowohl selber missbraucht als auch anderen, darunter dem 61-Jährigen aus Landsberg, zum Missbrauch zur Verfügung gestellt haben.

Insgesamt wurden 14 Tatverdächtige (drei davon aus Deutschland) länderübergreifend festgenommen, mehrere davon befinden sich in Untersuchungshaft.

Festnahme durch Ermittler„Trick“

Wie bereits in anderen Fällen konnte wohl auch in diesem die Anonymisierung nicht geknackt werden. Die Gesetzeslage verbietet es den verdeckten Ermittlern, selber kinderpornographisches Material weiter zu leiten oder zu verschicken. Diesen Umstand machten sich die Betreiber zu Nutze, in das Forum kam nur, wer selber Material anbot. So sollte das Forum gegen den polizeilichen Zugriff geschützt werden.

Presseartikeln zu Folge haben die Beamten jedoch gegen den „Deal“ einer geringeren Strafe den bereits als etabliert eingeschätzten Account eines vor Gericht stehenden Mitglieds verwendet. Darüber wurden diverse Personen für ein erneutes Treffen angeschrieben. Mindestens zehn Männer, großteils Väter, konnten so überführt und mindestens 29 Kinder gerettet werden.

Anwaltliche Hilfe

Mindestes 29 der minderjährigen Opfer konnten mittlerweile identifiziert werden. Die Zahl der noch nicht identifizierten dürfte noch weitaus höher liegen. Nicht erst der Fall Elysium zeigt, welche Ausmaße die Erstellung und Verbreitung kinderpornographischen Materials hat.

Für Betroffene oder Personen, die Betroffene im Familien- oder Bekanntenkreis haben, empfiehlt es sich, eine anwaltliche Beratung zu beanspruchen, die oftmals auch helfen, traumatische Situationen vor Gericht zu vermeiden.

Der Prozess – Erster deutscher Fall

Der Fall ist die bisher erste Anklage in Deutschland, die sich gegen eine Tätergruppe wegen des Verdachts des Betriebs einer kinderpornographischen Seite im Darknet richtet. Die vier Männer (40,58,57 und 62 Jahre alt) sitzen seit ihrer Festnahme in Untersuchungshaft.

Der von der Staatsanwaltschaft erhobene Vorwurf lautet bandenmäßige Verbreitung und Besitz von Kinderpornografie, einer der Angeklagten soll außerdem zwei Kinder missbraucht haben. Da er bereits wegen Missbrauchs eine mehrjährige Haftstrafe absaß, drohen ihm nicht nur wie den anderen Angeklagten bis zu zehn Jahre Haft, sondern auch eine schließende Sicherungsverwahrung.

Offenbar wurde den Männern ein Fehler bei der Programmierung einer Datenbank zum Verhängnis. Im Gegensatz zu den meisten anderen Plattformen verlangte „Elysium“ keinen sogenannte „Keuschheitsprobe“, d. h. neue Mitglieder mussten nicht erst selber kinderpornographisches Material hochladen.

Zuletzt soll die Plattform 111.000 registrierte Nutzer haben. Der entscheidende Tipp für die Ermittler kam wohl aus dem Ausland, über genaueres schweigen sie sich jedoch bisher aus.

Die mutmaßlichen Betreiber sollen sich auf der kinderpornographischen Plattform „The Giftbox Exchange“ kennen gelernt haben, welche Ende 2016 von ausländischen Ermittlern abgeschaltet wurde. Bis dahin hatte die von zwei Amerikanern betriebene Seite rund 67.000 Mitglieder.

Anwaltliche Einschätzung

Es ist davon auszugehen, dass das Gericht die Klage zulassen wird. Bei einer Verurteilung wird die mutmaßlichen Betreiber wohl eine mehrjährige Haftstrafe erwarten. Was mit den gesicherten Datensätzen – die Ermittler stellten alleine 1866 Diskussionsbäume sicher – geschehen wird, bleibt abzuwarten.

Es ist durchaus möglich, dass nach dem ersten Prozess eine zweite „Anklagewelle“ gegen Nutzer der Plattform starten wird. Als erster derartiger Fall in Deutschland wird die Gerichtsentscheidung aber voraussichtlich prägend für kommende Fälle sein.

Der Fall Elysium Zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 von Darknet-Anwalt
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