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Pädophilen-Forum zerschlagen

Am 19. Februar 2015 wurde der Betreiber des Forums „Playpen“, das bis dahin größte Pädophilen-Forum im Darknet, durch FBI-Beamte festgenommen. In dem Forum mit Unterkategorien wie „Kleinkinder“ oder „Schläge“ und Regionalforen wie „deutsch“, „portugiesisch“ oder „spanisch“ wurden große Mengen von kinderpornografischen Material durch die rund 150.000 Nutzer verbreitet.

Die Festnahme des 56-jährigen Administrators der Seite wurde zunächst geheim gehalten, die FBI-Ermittler betreiben die Seite als sogenannten „Honeypot“ (Honigtopf) weiter, um Daten über die Nutzer zu sammeln. Mittels einer vorgetäuschten Wartungspause – bei Darknet-Märkten und -Foren nichts Ungewöhnliches – wurde die Seite so bearbeitet, dass alle Daten der Nutzen gespeichert werden. Zusätzlich wurden über 800 Verdächtige mit einer Schadsoftware infiziert, die ihre IP-Adressen und Kenndaten der Computer weitergibt.

Insgesamt 408 Namen und Adressen von deutschen Nutzern des Forums wurden anschließend vom FBI dem Bundeskriminalamt übergeben. Erst zwei Wochen nach der Festnahme wurde in einer gemeinsamen Presseerklärung des FBI und Europol die Abschaltung von „Playpen“ öffentlich bekannt gemacht.

Ermittlungsmethoden in Deutschland nicht möglich

Operation Pacifier - KinderpornographieDie „Honeypot“-Methode, die auch beim Fall des Drogenmarktes „Hansa“ durch die niederländische Polizei angewandt wurde, ist nach deutschem Recht nicht möglich. Die hiesigen Ermittlungsbehörden haben keine Rechtsgrundlage, um Server einer Seite mit illegalen Inhalten zu übernehmen und weiter zu betreiben.

Allerdings dürfen die deutschen Behörden die vom FBI – nach US-amerikanischen Recht legal gesammelten – Daten für ihre Ermittlungen benutzen. Zwar dürfen keine illegal gesammelten Beweisstücke nach deutschem Recht in Prozessen verwendet werden, Beweisstücke, die etwa bei einer aufgrund der FBI-Daten durchgeführten Hausdurchsuchung gefunden werden, dagegen schon.

Mittlerweile stehen mehrere Tatverdächtige rund um den Fall „Playpen“ vor Gericht. Der Fall Christian L., der als „GeilerDaddy“ im Forum kinderpornographisches Material verbreitet haben soll, gilt bereits als einer der spektakulärsten Pädophilie-Prozesse der letzten Jahre. Allerdings steht er nicht nur wegen Aktivitäten im „Playpen“ Forum vor Gericht, verdeckte Ermittler konnten auch auf anderen Plattformen Videos finden, in denen zu sehen sein soll, wie L. einen Jungen vergewaltigt. Er ist bereits wegen Missbrauchs vorbestraft und auf Bewährung.

„Outsourcing“ von Ermittlungen?

Die zunehmende internationale Kooperation insbesondere im Bereich der Darknet-Kriminalität bietet auch rechtsstaatliche Gefahren. Etwa dann, wenn deutsche Ermittlungsbehörden ausländische Partner um Amtshilfe bei Methoden bitten, die nach deutschem Recht unzulässig sind.

Die „Honeypot“-Methode könnte eine solche Gefahr bieten, da bereits in mehreren, teils spektakulären, Fällen („Hansa“ und „Playpen“ als die bekanntesten) deutsche Ermittlungen aufgrund von im Ausland über diese Methode gewonnene Kenntnisse geführt wurden. Bislang ist kein Fall eines solchen Missbrauchs bekannt, die zunehmende Globalisierung auch der Ermittlungsbehörden birgt aber entsprechende Gefahren für die Zukunft.

Anwalt einschalten

Betroffene sollten sich unter allen Umständen eine fachanwaltliche Beratung einholen, da insbesondere für Fälle, bei denen die FBI-Daten entsprechend genutzt wurden, eine besondere prozessrechtliche Strategie nötig ist. Dafür sind Kenntnisse sowohl im rechtlichen als auch im technischen Bereich rund um das Thema Darknet notwendig.

Operation Pacifier und die Folgen in Deutschland Zuletzt aktualisiert: 05.10.2018 von Darknet-Anwalt
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